Caipirinha selber machenMit großer Freude stelle ich dir heute den Caipirinha vor. Es ist nicht nur nach dem Mojito eines meiner Lieblings Drinks, sondern obendrein auch das Nationalgetränk Brasiliens. Seine Geschichte die etwa um 1918 seinen Lauf nahm, begann in der Gegend um Sao Paolo. Ursprünglich wurde das Getränk welches aus Cachaça oder Rum, Zitrone, Honig und Knoblauch bestand, für medizinische Zwecke verwendet. Erst später änderte sich das Rezept in das heute uns bekannte.

Anfangs hatte der Caipirinha keinen guten Ruf, da er ihn meist Bauern, die auf Zuckerrohrplantagen arbeiteten tranken. Die ansässigen Bauern destillierten ihren Caipirinha, hergestellt aus vergorenen Zuckerrohrsaft, selbst.

Übersetzt bedeutet Caipirinha „ein kleiner Provinzler“.

Heute ist der Caipirinha, wie man ihn hierzulande gern bezeichnet, ein Trendgetränk und erfreut sich großer Beliebtheit. So war es auch kein Wunder, dass er 1999 der Drink des Jahres wurde. In Brasilien hat er allerdings zum Teil noch immer ein schlechtes Image. Das liegt an einigen schlechten Destillaten. Natürlich gibt es in Brasilien auch sehr hochwertige Cachaças. Am Zuckerhut ist es üblich, den Caipirinha in geselliger Runde zu trinken. Unterschiede in der Trink- und Servierweise im Gegensatz zu Europa gibt es auch.

Das Standard Rezept für den Caipirinha hierzulande

Zutaten & Zubereitung

5 cl Cachaça
1 Limette
3 BL brauner Rohrzucker
crushed Ice

Die Limette wird möglichst unbehandelt gekauft und gewaschen. Danach werden die beiden Enden der Limette abgeschnitten und diese dann in 8 gleichgroße Teile geschnitten. Die Limette gibst du anschließend in ein Libbeyglas und bestreust sie mit 3 BL (Barlöffel) des braunen Rohrzuckers. Nun kommt der Muddler oder Stößel zum Einsatz. Mit kurzen festen Stößen wird so der Limettensaft aus der Limette gepresst und mit dem Rohrzucker verbunden. Jetzt wird das Glas mit crushed Ice aufgefüllt und mit einem Bosten Shaker oder Speed Shaker Aufsatz versehen. Nun das Ganze kräftig shaken und danach das Glas mit crushed Ice auffüllen. Limetten Garnitur ans Glas und mit dickem Strohhalm servieren.

Dies ist die übliche Machart eines Caipirinhas hierzulande. In Brasilien wird dieser Cocktail allerdings etwas anders zubereitet. So wird statt braunem Rohrzucker weißer verwendet. Zudem verwendet man dort Ice Cubes und schneidet die Limette in Scheiben.

Ein persönliches Erlebnis

Meinen persönlich leckersten Caipirinha durfte ich aufgrund folgender Geschichte genießen.

Ich arbeitete zu jener Zeit als Barchef an einer karibischen Bar. Jürgen, ein Freund von mir, kam auf Besuch vorbei. Er hatte gerade erst vier Wochen am Zuckerhut verbracht und wollte mir eine kleine Überraschung von dort vorbei bringen. Als Jürgen mit seinem braun gebrannten Gesicht und gut erholt zu mir an die Bar kam, erzählte er mir von seinem Aufenthalt in Brasilien. Allein schon die Erzählungen seiner Erlebnisse machten Appetit. Als er mir dann meine kleine Überraschung gab, sagte er: „Hier ich habe dir ein Stück Brasilien mitgebracht“. In der Tüte, die er mir überreichte, war eine Flasche Ypióca Prata, drei Tennisball große saftige Limetten und Guarani (ein weißer brasilianischer Rohrzucker).

Jürgen meinte, ich sollte doch mal drei Caipis machen. Zwei aus den Zutaten die er mitgebracht hat und einen aus den üblich verwendeten Zutaten hierzulande. Prompt folgte ich seiner Aufforderung, während er weitere Storys von seinen Erlebnissen am Zuckerhut erzählte. Als ich mit den Caipirinhas fertig war, fragte ich ihn, warum er denn gleich drei Drinks wolle und ob er nicht genug im Urlaub getrunken hätte. Er erwiderte nur, dass ich einfach von dem Caipi aus den mitgebrachten Zutaten kosten solle und danach an dem Caipirinha mit den hier verwendeten Zutaten. Der dritte war für ihn selbst.

Als ich nun den Vergleich der beiden Drinks hatte, wusste ich, was Jürgen damit bezwecken wollte. Dieser Geschmack der frischen Limette gepaart mit der sanften Süße des Zuckers und der Leichtigkeit des Cachaça verblüften meine Geschmacksknospen derart, dass ich mir aus der zuvor schon gestößelten Limette einen zweiten Caipirinha machen musste.

Noch heute bin ich Jürgen für diese Erfahrung dankbar. Denn ab diesem Zeitpunkt änderte ich gleich die Barkarte im Haus. Für mich war es wichtig, dass noch mehr Menschen außer mir diese geschmackliche Erfahrung machen können. Ich besorgte den Cachaça Ypióca Prata, den weißen brasilianischen Rohrzucker Guarani und beim Großhändler saftige brasilianische Limetten. Deklariert habe ich dann den Caipirinha einfach als „Caipi Brasil“. Immer wenn dann ein Gast einen normalen Caipirinha bestellte, empfahl ich den wahnsinnig leckeren brasilianischen. Die meisten Gäste nahmen meine Empfehlung an. Ich nahm dann beim servieren noch einen kleinen „normalen Caipi German Style“ mit und sagte, dass sie nun den besten Vergleich hatten.

Beim Nachfragen welcher nun geschmacklich mehr überzeugte, bestätigten mir ohne eine Ausnahme alle Gäste, dass der Caipi Brasil echt der Wahnsinn ist. Kein Vergleich zum hierzulande weit verbreiteten Liquid mit Pitu, braunem Rohrzucker und bitteren Limette. Preislich waren die verwendeten Zutaten beim Caipi Brasil natürlich etwas höher, aber dies sollte es für guten Geschmack einfach wert sein. Was nützt es einem aber die besten Zutaten zu haben, aber daraus nix leckeres zaubern zu können? Hier kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt neben der Zutaten.

Die Herstellung vom Caipirinha Brasil

Die Herstellung vom Caipi Brasil auf Liquid Shot Art geht wiefolgt. Eine saftig große Limette halbieren. Eine Hälfte wird in 4 gleichgroße Hälften geschnitten und in ein Libbeyglas gegeben. Die andere Hälfte wird mit einer Zitruspresse direkt ins Libbeyglas ausgedrückt. Achte darauf, die Limette nicht zu vergewaltigen und mit Überdruck auszuquetschen. In der Schale der Limette sind die Bitterstoffe und äthersichen Öle, welche durch Misshandlung zu stark freigesetzt werden.

Kleine Anektote zwischendurch:

Wenn du mal in einer Bar einen Caipirinha bestellst und dieser zu bitter ist, wirst du wissen, dass der Barkeeper / die Barmaid entweder keine Ahnung, eine zu kleine Limette, einen schlechten Tag oder unpassendes Equipment zur Herstellung deines Liquids hatten.

Nachdem nun der Limettensaft im Glas gelandet ist, kommen 3 gehäufte BL (Barlöffel) weißer Rohrzucker dazu. Rühre die Flüssigkeit mit einem Barlöffel um und lass das Ganze ca. 30 Sekunden ruhen. Nun darfst du natürlich auch den Muddler (Stößel) schwingen. Allerdings – und das ist ein wichtiger Tipp, nur ganz leicht und maximal 3 Stöße. Du fragst dich jetzt sicher was dieser Käse zu bedeuten hat, tue es einfach und schmecke das Ergebnis. Oder willst du etwa einen Caipirinha wie in der Anektote beschrieben. Natürlich ist es auch echt sehr wichtig, was du für einen Stößel benutzt. Hier zählt nicht die Optik dessen, sonderrn die Effektivität und leichter Benutzbarkeit. Glaube mir, ich spreche hier aus eigener Erfahrung.

Jetzt wo du alle diese Arbeitsschritte befolgt hast, nimmst du crushed Ice und befüllst das Libbeyglas. Ich verwende mit Absicht keine Ice Cubes wie es im brasilianischen Originalrezept gehandhabt wird, dass es die Caipi Liebhaber hierzulande völlig durcheinander bringen würde. Danach folgen 5 cl vom leckeren Ypióca Prata und der Boston Shaker oder Speedshaker Aufsatz aufs Libbeyglas. Du shakst das Ganze nun bis der Shaker von außen anläuft. Jetzt brauchst du nur noch den Caipirinha mit crushed Ice auffüllen und eine Limetten Garnitur plus Strohhalm. Fertig ist der Caipi Brasil.

Also fassen wir mal kurz zusammen was du für einen leckeren Caipirinha brauchst.

Leidenschaft für Genuss. Die richtigen Zutaten. Das richtige Equipment.

5 cl Ypióca Prata Cachaça

1 saftige große brasilianische Limette

3 BL (Barlöffel) brasilianischer weißer Rohrzucker

crushed Ice

Mehr brauchst du nicht um deinen oder den Gaumen deiner Gäste glücklich zu machen. Dies ist natürlich auch wieder eine Geschmackssache. Das einzigste was dich jetzt daran hindert dies rauszufinden, bist du selbst. Viel Spass beim nachmixen.

Shake well.